Sir Mikel testet die Canon Powershot A710IS

Sir Mikel mit Powershot A710ISBesonders sexy sieht sie nicht gerade aus und auch für meine Hemdtasche ist sie etwas zu klobig. Die Qualitäten der Canon Powershot A710IS liegen eher im Verborgenen, wie sich überhaupt die Powershot A-Reihe gegenüber den Lifestyle-Modellen der “Ixus-Klasse” durch Äußerlichkeiten nur schwer behaupten können wird. Auch wenn das Aussehen der A710 IS durch das grau-schwarze Finish gegenüber ihren Vorgängerinnen zugewonnen hat.

Doch genug der Oberflächlichkeiten. Die Inneren Werte unseres Testkandidaten sind zwar auch nicht spektakulär, aber durchaus solide und äußerst praxistauglich. Und in dieser Kombination auf dem Kompaktkameramarkt aktuell ziemlich einmalig:

  • Gute Ergonomie, einigermaßen solide Haptik, wenn auch das verwendete Gehäusematerial nur Kunststoff ist. Die Bedienknöpfe sitzen meinem Gefühl nach alle an der richtigen Stelle und sind ordentlich zu bedienen - bis auf den Schiebeschalter, der zwischen Aufnahme und Wiedergabe umschaltet. Der ist irgendwie unhandlich und umständlich in der Handhabung. Hier sind Ansätze wie bei den Panasonic-Kameras wesentlich intuitiver, wo man jederzeit über die Vierwegewippe aufgenommene Bilder anschauen kann. Dafür kann man im Aufnahme-Modus mit der “Function”-Taste alle wichtigen Parameter (ISO, Komprimierung, etc.) sehr schnell einsehen und ändern. Der SD- und Batterieschacht verhindert nicht das Herausfallen der beiden AA-Batterien bzw. -Akkus, aber das stellt im Alltag nicht wirklich ein Problem dar. Ob man vom Einsatz von AA-Akkus begeistert ist oder lieber Li-Ion-Akkus gehabt hätte, bleibt letztlich Geschmackssache. Der Befestigungspunkt fürs Stativ ist klassenüblich aus Plastik und außer der optischen Achse, was für Panoramaaufnahme semi-optimal ist.
  • Die Menüs sind logisch und übersichtlich aufgebaut.
  • “Vernünftiger” 7-Megapixel-CCD, bei dem man auch getrost mal die Auto-ISO Einstellung wählen kann, ohne sich gleich vor übermäßigem Rauschen und gewalttätigen Bildbearbeitungsprozessoren fürchten zu müssen. Ein wirklicher Fortschritt gegenüber den Panasonic-Kameras, die ich bisher testen konnte.
  • Als Aufnahmemodi steht mit PASM dem Fotografen die volle Kontrolle über Zeit und Blende zur Verfügung, ebenso wie einige “Szenen-Modi”, über deren Sinn man im Detail sicher geteilter Meinung sein kann. Selbst eine benutzbare manuelle Fokussierung bietet die Kamera.
  • Optik: Ein sehr brauchbarer Zoombereich von 35-210mm (KB-äquivalent). Der Zoom könnte sicher etwas feiner abgestimmt sein und etwas mehr Weitwinkel (28mm) und Lichtstärke wünscht man sich ja auch immer, aber wir wollen nicht unbescheiden sein. Die Bildstabilisierung funktioniert optisch über das Objektiv und ist kein Taschenspielertrick wie so mancher “Safety Shift” bei anderen Herstellern. Dank Canons IS (Image Stabilizer) gelingen auch unruhigen Naturen Freihand-Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten von bis zu 1/4 Sekunde.
  • Die Blitzleistung des eingebauten Blitzes ist gut, rote Augen können aufgrund der unvermeidlichen Nähe zur optischen Achse des Objektivs gelegentlich ein Problem darstellen. Etwas für geduldige ist allerdings die Ladezeit des Blitzes: annähernd 10 Sekunden vergehen da, bevor die nächste Aufnahme erfolgen kann. Praktisch, dass die Leistungen der Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen auch ohne Blitz gut sind.
  • Echtes Plus: Der optische Sucher hilft bei extremen Lichtverhältnissen, wenn das Rückseitendisplay schlecht abzulesen ist. Naturgemäß zeigt der Sucher nur annähernd das, was später auf dem Foto zu sehen ist und es sind keine Einstellungsinfos “eingespiegelt”. Lediglich die Schärfeanzeige über dem Sucher nimmt man beim Blick durch den Sucher wahr.
  • Das Rückseitendisplay ist mit 2,5″ zwar angenehm groß, aber recht niedrig auflösend, sodass die Schärfebeurteilung manchmal nicht ganz einfach ist. Ausschnitt zoomen in der Wiedergabe hilft, das geht aber nur, wenn man vorher den Schiebeschalter betätigt hat (s.o.). Histogramm gibt es auch nur im “Playback”-Modus. Bei wenig Licht rauscht das Display recht stark.
  • Großes Plus gegenüber vielen anderen Kompakten ist die Bildqualität. Wie gesagt, vielleicht ein paar “sexy Features” weniger als die Konkurrenz, dafür stimmt aber der “Output”. Auch das alte Canon-Problem der Komprimierungsartefakte scheint - zumindest in der Qualitätsstufe “superfein” der Vergangenheit anzugehören. Die Rauschwerte gehen unter Berücksichtigung der Chipgröße absolut in Ordnung. Die Farben sind exakt, der Weißabgleich leistet sich selten einen Fehler. Die Optik verzerrt im maximalen Weitwinkel ziemlich stark, ist ansonsten aber ohne größere Schwächen über den Zoombereich. Das gefürchtete “Purple Fringing”, die lila Farbsäume an Helligkeitskanten bereitet der A710IS auch im Telebereich keine Probleme.
  • Die Bildqualität im Movie-Modus ist hervorragend, der Ton ebenfalls gut und es kann während der Aufnahme gezoomt werden. Bestens.
  • Geschwindigkeit: Hier war ich sehr angenehm überrascht - der Autofokus hat gegenüber der A610 mächtig (!) an Schnelligkeit zugelegt und liegt zumindest subjektiv nicht hinter meiner Pentax-DSLR, sondern ist eher noch ein bisschen schneller.

Fazit des Bären: Keine aktuelle Kompaktkamera ist perfekt, aber die A710IS gefällt als unauffälliges, aber sehr williges “Arbeitstier” für diejenigen, die auch gerne mal mit leichtem Gepäck reisen. In Punkto Bildqualität, Geschwindigkeit und Handling leistet sie sich keine wirklichen Schwächen. Wirklich erfreulich sind das Vorhandensein eines optischen Suchers und die volle Kontrolle über alle fotografischen Einstellungen - hier wird der aufstrebende Fotograf leider von zu vielen anderen Modellen auf dem Markt inzwischen komplett entmündigt.

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