Leichter Allrounder: Panasonics FZ18 im Feldtest
Ein Nachfolger der FZ50 ist wohl nicht mehr in Sicht, nun da Panasonic mit der L10 seine “Einsteiger”-Spiegelreflex an den Mann oder die Frau bringen will. Doch die FZ18 setzt sich mit ihrem 18 fachen Zoombereich von 28 bis über 500mm in einem relativ kompakten Gehäuse und den bekannt guten Handling-Eigenschaften der FZ-Serie in eine interessante Zwischenposition zischen FZ8 und FZ50.
Anstatt weiterer Pixel-Gigantomanie hat man es diesmal bei noch halbwegs vernünftigen 8 Megapixeln belassen. Ansonsten findet man an der FZ18 alles, was aktuell so an “Bells-and-Whistles” für eine aktuelle Digitalkamera verfügbar ist: Intelligent ISO passt die Empfindlichkeit an Helligkeit und Motivbewegung an, Face Recognition erkennt Gesichter und steuert danach AF und Belichtung intelligente Szenen-Modi helfen automatisch bei der Auswahl des richtigen Belichtungsprogramms. Wer all das für Schnickschnack hält, kann aber Gott sei Dank überall auch manuell eingreifen, bis hin zum manuellen Zwei-Achsen-Weissabgleich.
Die Kombination aus kompakter Bauform, vielen Einstellmöglichkeiten, gutem Handling solider Bildqualität machen die FZ18 zu einem idealen Reisebegleiter.
Wie immer testet Sir Mikel wir nicht mit Test- und Auflösungscharts im nicht immer realitätsnahen Labor, sondern nur im “Feldtest”. Handling, Ausstattung, visuelle Bildqualität und Qualität der Ausdrucke stehen dabei im Vordergrund.
Hier die wichtigsten Ergebnisse:
- Gute Ergonomie, einigermaßen solide Haptik, wenn auch das verwendete Gehäusematerial nur Kunststoff ist. Die Ausbuchtung und eine Gummierung geben guten Halt für die Hand, trotz der geringen Größe der Kamera. Die Bedienknöpfe sitzen meinem Gefühl nach alle an der richtigen Stelle und sind ordentlich zu bedienen. Die Vierwegetasten und vor allem der Joystick erlauben einen schnellen Wechsel der wichtigsten Parameter. Ein Druck auf den Joystick und man kann via “Function”-Einblendmenü ISO, Komprimierung, etc. sehr schnell einsehen und ändern. SD-Karte und Li-Ion-Akku sind in einem gemeinsamen Bodenschacht untergebracht, der wie üblich bei Stativbetrieb nicht geöffnet werden kann.
- Die Menüs sind logisch und übersichtlich aufgebaut und lassen eine Einstellung all dessen zu, was man sich wünscht. (Nein, die Rauschunterdrückung für JPEGs kann nicht komplett abgeschaltet werden…)
- Bei der Auflösung hat Panasonic vernünftigerweise dem auch im eigenen Haus üblichen Größenwahn widerstanden: Der 8-Megapixel-CCD liefert, zumindest bei ISO 100 eine sehr gute Bildqualität ohne merkliches Bildrauschen. Mit der Auto-ISO Einstellung sollte man vorsichtig sein, da der bei Panasonic bekannt aggressive Rauschunterdrcker Venus III zum Einsatz kommt - wenn auch etwas feinfühliger abgestimmt als bei den Vorgängermodellen. Ein wirklicher Fortschritt gegenüber den Panasonic-Kameras, die ich bisher testen konnte.
- Als Aufnahmemodi steht mit PASM dem Fotografen die volle Kontrolle über Zeit und Blende zur Verfügung, ebenso wie einige “Szenen-Modi”, über deren Sinn man im Detail sicher geteilter Meinung sein kann. Auch eine benutzbare manuelle Fokussierung bietet die Kamera.
- Optik: Der Zoombereich von 28-504mm (KB-äquivalent) sollte eigentlich keine Wünsche offen lassen. Die Zoomwippe erlaubt über die Stärke der Auslenkung langsames und schnelles Zoomen. Die optische Bildstabilisierung funktioniert auch bei den sehr langen Brennweiten einwandfrei ist kein Taschenspielertrick wie so mancher “Safety Shift” bei anderen Herstellern. Dank Panasonics Mega O.I.S. gelingen auch unruhigen Naturen Freihand-Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten von bis zu 1/4 Sekunde.
- Die Blitzleistung des eingebauten Blitzes ist gut, rote Augen stellten bei den ein bisherigen Aufnahmen kein wirkliches Problem dar, da der Blitz relativ weit ausklappt. Einen externen Blitzschuh gibt es (im Gegensatz zur FZ50) nicht.
- Einen optischen Sucher gibt es nicht, wohl aber das elektronische Pendant, den EVF (Electronic View Finder). Der Sucher der FZ50 ist etwas besser, aber der EVF der FZ18 ist auch durchaus brauchbar.
- Das Rückseitendisplay ist mit 2,5″ angenehm groß und hoch genug aufgelöst, um die Schärfe einer Aufnahme halbwegs beurteilen zu können. Über die Pfeiltasten ist eine schnelle Rückschau mit Zoom möglich, wenn man sich dennoch unsicher ist. Ein Live-Histogramm vereinfacht die Beurteilung der korrekten Belichtung. Für Überkopfaufnahmen können die Kristalle des LCD-Displays so ausgerichtet werden, dass man auch von unten auf dem Display nochetwas erkennen kann. Ein echtes Schwenkdisplay bitete hier natürlich mehr Freiheitsgrade. Dafür gibt es eine “Power-LCD”-Funktion für extreme Lichtverhältnisse.
- Verbessert hat sich die Bildqualität. Die Rauschwerte gehen unter Berücksichtigung der Chipgröße in Ordnung. Die Farben sind exakt, der Weißabgleich leistet sich selten einen Fehler. Die Optik verzerrt auch im maximalen Weitwinkel wenig und ist ansonsten ohne größere Schwächen über den gesamten Zoombereich. Das gefürchtete “Purple Fringing”, die lila Farbsäume an Helligkeitskanten bereiten der FZ18 auch im Telebereich keine Probleme. Wen das Rauschen bzw. eher die Rauschunterdrückung bei ISO400 oder ISO800 stört, dem bleibt die Variante, RAW + JPEG zu fotografieren und den RAW-Output z.B. in Photoshop oder Neatimage nachzubearbeiten.
- Die Bild- und Tonqualität im Movie-Modus ist nicht berauschend, es kann während der Aufnahme nicht gezoomt werden. Hier ist man mit Canons Powershot-Reihe besser bedient.
- Geschwindigkeit: Die FZ18 ist ein flotter Arbeiter. Die Auslöseverzögerung stellt kein Problem dar, auch die AF-Zeiten sind sehr gut, besonders im High-Speed-Modus.
Fazit: Unter den Kandidaten im Superzoom-Segment mit 18 fach Zoom (Fujis S8000fd, Olympus SP560 UZ) scheint die FZ18 der derzeit beste Kompromiss zu sein. Gutes Handling und hohe Reaktionsgeschwindigkeit, gute Bildqualität und ein Preis von mittlerweile nur noch 370,- EUR verdienen eine Empfehlung. Mit dieser Kamera geht man einfach gerne fotografieren - und wenn die Bilder dann trotzdem nichts werden, liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an der Kamera.
Prädikat: Bärig (4,5/5)



