Geburt im Schatten der kleinen Schwester
Gerade mal ein Jahr ist es her, da hat die Panasonic FZ18 unseren Bärentest absolviert. Nun steht mit der FZ28 das Nachfolgemodell in den Startlöchern – doch was ist das? Keiner bemerkt sie! Denn da ist die kleine Schwester, die schon Wochen vor ihrem Erscheinen Aufsehen erregte, weil sie viel „sexier“ ist. Und dann kommt noch die Panasonic-Werbemaschine mit dazu, die der LX3 alles widmet und der FZ28 (gefühlt) nichts. Wir möchten mit bärigem Gerechtigkeitssinn gegensteuern und dem Arbeitstier FZ28 unseren neuesten Feldtest widmen.
Äußerlichkeiten
Äußerlich ist irgendwie fast alles beim Alten geblieben. Außer ganz äußerlich natürlich, denn der Karton, in dem die FZ28 geliefert wird, enthält jetzt ein stylisches Produktfoto, das die potenziellen Käufer an die Regale locken soll. Aber die Kamera an sich hat nur marginale Änderungen an ihrem Äußeren erfahren. Die auffälligste davon ist der kleine Umschalter zum Wechseln zwischen Aufnahme- und Wiedergabemodus. Aber keine Angst: Über das Vierwege-Tastenfeld kann immer noch im Aufnahmemodus mit der unteren Taste auf schnelle Wiedergabe gestellt werden. Oder auf etwas anderes, denn die Taste ist jetzt programmierbar, wenn auch nur mit begrenzter Auswahl. Dass das Display etwas größer ausgefallen ist (2,7″ gegen 2,5″) wird nur den geübten Beobachtern auffallen.
Die Inneren Werte
An den Spezifikationen hat sich einiges getan, wenn auch nicht zu jedermanns Zufriedenheit: Wieder mehr Megapixel auf einem nur marginal größeren Sensor (dadurch der leicht verschobene Brennweitenbereich) ist neben dem geänderten Sucher (s.u.) der strittigste Punkt der „Verbesserungsliste“.
- Chip: Neuer CCD mit 10 statt 8 Megapixel. Zumindest keine Veränderung zum Schlechte, wie schon bei so mancher Megapixel-Erhöhung der Vergangenheit. In Bezug auf das Rauschverhalten bei höheren ISO-Zahlen konnten sogar gute Fortschritte erzielt werden (s.u.)
- Bildverarbeitungsprozessor: Die sinnliche Venus-Engine geht in die vierte Runde und rückt dem Rauschen des kleinen Sensors jetzt etwas verträglicher auf den Pelz als ihre Vorgängerinnen. Das feinere „Korn“ des Rauschens erinnert damit eher an das Filmpendant, Details werden weniger brutal „weggebügelt“. Bis einschließlich ISO 400sind die Bilder jetzt wirklich brauchbar, darüber hinaus hängt es auch von der Lichtsituation ab, wie störend die Rauscheffekte ausfallen.
- Bildqualität: Im Gegensatz zu einigen anderen sehe ich hier einen großen Evolutionsschritt gegenüber der FZ18. Die 10 Megapixel machen in Abstimmung mit dem neuen Bildverarbeitungsprozessor und der excellenten Leica-Optik eine hervorragende Figur. Natürlich sollte man als Vergleichsmaßstab keine Vollformat-DSLR zugrunde legen. Wer noch etwas an den Bildeinstellungen der Kamera feilt (Dynamikeinstellungen, Schärfe, Rauschunterdrückung) und gelegentlich auf die Taste zur Belichtungskorrektur zurückgreife, der wird schon mit JPEG mit dieser Kamera zu sehr guten Ergebnissen kommen. Gut so, denn das Thema RAW hat seit der Vorgängerversion etwas gelitten.
- RAW-Unterstützung: Hier gibt es nichts wirklich Positives zu vermelden, eher im Gegenteil – die Speicherung im RAW-Format ist aus dem Quick-Menü ins normale Kameramenü gewandert. Dies aber wahrscheinlich aus dem Grund, dass die Mehrzahl der FZ18-Fotografen doch eher selten bis überhaupt nicht auf dieses in der Nachbearbeitung aufwändigere Speicherformat zurückgegriffen hat. Die Gesetze von Angebot und Nachfrage eben.
- Weißabgleich: Generell gut, unter Kunstlicht aber zu warm. Einstellbar nach Lichtsituation oder Farbtemperatur.
- Sucher: Der elektronische Sucher (EVF) hat jetzt eine höhere Auflösung, ist dafür aber von 0,4″ auf 0,2″ geschrumpft. Gegenstand aufgeregter Diskussionen und auch wirklich nicht ganz verständlich. Eine deutlich kissenförmige Verzeichnung des Sucherbildes durch die Vergrößerungsoptik kommt erschwerend hinzu. Eine längere Benutzung ist nicht wirklich augenfreundlich. Aber in vielen Situationen ist dieser Sucher immer noch besser als gar keiner…
- Blitz: Die Blitzleistung wurde gegenüber der FZ18 erhöht, die Belichtung von Bildern mit Blitzlichteinsatz ist einwandfrei. Rote Augen sind gelegentlich immer noch ein Thema. Blitzen ist nun auf den ersten oder den zweiten verschlussvorhang möglich. Fehlt eigentlich nur noch ein Anschluss für externe Blitzgeräte, um alle glücklich zu machen.
- Autofokus: Dem AF wurde eine Tracking-Funktion spendiert, die bewegliche Ziele im Fokus hält. Die AF-Felder können jetzt auch im Mehrfeldbetrieb frei ausgewählt werden. Die AF-Geschwindigkeit ist nach wie vor sehr gut.
- Video: Nicht überall, wo „HD“ draufsteht, ist auch HD drin. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen ist die Videoqualität zwar merklich besser geworden, aber der Ton ist noch meilenweit von einem echten Camcorder entfernt. Auch das etwas antiquierte, speicherfressende Quicktime-Motion-JPEG-Format könnte mal eine Aktualisierung vertragen. Mit der Fz28 kann man jetzt endlich auch während der Aufnahme zoomen. Aber vorsicht, mitunter dauert es sehr lange, bis der AF die Szene danach wieder scharfgestellt hat.
Handling
Das Handling war immer eine der großen Stärken von Panasonic gegenüber der Konkurrenz und so ist es mit der FZ28 geblieben. Gutes wurde so weiter verbessert, offenbar hat man ein sehr genaues Ohr an der Kundschaft und den einschlägigen Diskussionsforen, z.B. auf dpreview.com. Das Gehäuse liegt gut und griffig in der Hand, die Bedienelemente sind sinnvoll und ergonomisch angeordnet. An den vollmanuellen Möglichkeiten lässt sich nichts mäkeln, wenn man mal kapiert hat, wie die Navigtion mit dem Joystick funktioniert. Das Quick-Menü hilft bei schnellem Wechsel der wichtigsten Parameter. Über zwei Custom-Einstellungen am Modus-Wahlrad kann die Kamera nach Gusto den eigenen Vorlieben angepasst werden.
Das ausreichend große und gut aufgelöste Display passt sich auf Wunsch der Umgebungshelligkeit an und bietet einen High-Angle-Mode für Überkopfaufnahmen. Zum Sucher wurden ja schon einige Worte verloren.
Die Geschwindigkeit in Bezug auf Startzeit und Auslöseverzögerung ist prima und letztere kann durch Wahl des 1-Feld-AF nochmal erhöht werden.
Kein Verbeserungspotenzial also? Doch: Ein Einstellrad in Ergänzung des Joysticks würde die Sache noch weiter verbessern, die Stativbefestigung in der Mitte der optischen Achse wäre prima, ebenso wie ein schwenkbares Display(!).
Fazit
Wer die FZ18 hat, wird sich die FZ28 nicht zulegen, um seiner Umwelt vorzuführen, dass er sich etwas neues geleistet hat. Denn die wird den Unterschied zwischen Alt und Neu mit größter Wahrscheinlichkeit gar nicht bemerken. Doch die subtilen Verbesserungen im Handling und der Bildqualität ergeben in der Summe mehr man aus den Spezifikationen erschließen würde. Die FZ28 steigt jetzt preislich schon niedriger ein als die FZ18 zum Start vor einem Jahr. Wer noch ein bisschen warten kann und dann zuschlägt, bekommt eine Kamera, mit der man rundum zufrieden sein kann.
Alles in Allem: Ein echter Bärentipp!
Beispielbilder
Mehr Infos
- Produktinfos und technische Daten auf Panasonics Lumix-Website

