Die ideale Kamera
Das mit der idealen Kamera ist natürlich eine höchst subjektive Angelegenheit. Ich bestreite nicht, dass eine gute Kamera keinesfalls automatisch gute Fotografien produziert. Aber sie unterstützt vielleicht dabei, in der oftmals knappen Zeit, um ein gutes Bild aufzunehmen, das beste aus der Situation herauszuholen.
Kriterien, die mir in diesem Zusammenhang relevant erscheinen:
- Kompaktheit
Die ideale Kamera kann ich überall mit dabei haben, ohne aufzufallen. - Leise
Der krachende Spiegelschlag vieler Spiegelreflexkameras macht es unmöglich, in den meisten Innenräumen unauffällig zu fotografieren. Solche mit eingebautem “Antishake” sind durch Schallableitung oft noch lauter als ihre Kollegen. - Schnell
Mit Grausen erinnere ich mich an die AF-Geschwindigkeit meiner ansonsten guten, alten Canon G2. Zwei Sekunden waren da keine Seltenheit. Da wird selbst das scharfe Abbilden einer griechischen Landschildkröte zur Herausforderung. Zum Glück ist das in den meisten Kameras heute kein Thema mehr. - Megapixel
Abhängig von dem, was Sie mit Ihren Bildern machen möchten, brauchen Sie ja vielleicht keine 14 Megapixel. Rauschfreie 6 Megapixel klingen veraltet, machen mitunter aber mehr Spaß als 12 Millionen auf einem 1/2,5″ Chip. Die Marketingabteilungen der großen Hersteller kennen aber kein Pardon. - Analoges Bildrauschen
Bei einer einigermaßen kompakten Kamera gibt es einen zwangsläufigen Kompromiss bezüglich der Chipgröße. Vollformat + lichtstarke Optik wird man kaum in ein kompaktes Gehäuse bekommen. Kleinere Chips sind (noch) mit signifikant höherem digitalen Rauschen belastet. Körnigkeit gab es schon bei schnellen Schwarzweiss-Filmen. Aber der optische Eindruck ist angenehmer als beim klumpigen digitalen Rauschen bzw. den Produkten der digitalen Rauschunterdrückung. Also: Mehr Mut zum traditionellen “Filmkorn” statt plattgebügeltem ISO6400-Pointillismus aus der Marketingabteilung! - Ergonomie
Gut und griffsicher in der Hand muss sie liegen, alle Bedienelemente dort, wo sie üblicherweise gegriffen werden. Einzelknöpfe für oft verwendete Funktionen statt verschachtelter Menüs. Doch zur Ergonomie gehört ebenfalls Logik und Bedienbarkeit der Menüs (wenn man sie denn schon braucht) und die Ablesbarkeit des Displays in verschiedenen Lichtsituationen. Im Idealfall ist das Display dreh- und schwenkbar. So kann man auch mal unbemerkt “aus der Hüfte” fotografieren. - Sucher
Es geht nichts über einen optischen Sucher – wenn er auch halbwegs das zeigt, was später auf dem aufgenommenen Bild zu sehen sein wird. Träge elektronische Sucher sind ebenso wie zu klein geratene oder völlig entfallene Sucher ein Hindernis bei der Komposition. Vielleicht wird die Evolution noch eine Weile brauchen, uns das Display als alleiniges Hilfsmittel dazu anheimstellen zu können. Ob ein manuelles Fokussieren über den Sucher möglich ist, hängt vom System ab. Autofokus-Freaks schütteln den Kopf über die Leica-Gemeinde, die Messsucher-Jünger halten den Autofokus für Hexenwerk. Geschmackssache halt und abhängig vom Einsatzzweck. - Blitz
Ein kleiner, eingebauter Blitz kann nicht schaden zum Aufhellen oder in hoffnungslosen Lichtsituationen. Aber bitte ohne rote Augen und mit Möglichkeit zum Kippen, also zum indirekten Blitzen. Ein TTL-Blitzschuh ist Luxus, aber sinnvoller. Ansonsten ist “available light” natürlich viel schöner als Kunstlicht. - Objektiv
Lichtstarkes Zoom, weitestgehend frei von optischen Fehler wie Vignettierung, Geisterbilden und chromatischen Aberrationen. Und krachscharf möglichst ab Offenblende. Man wird ja mal träumen dürfen – dafür darf sich der Zoombereich auch in vernünftigen Grenzen halten (28-120mm) ;-)
Und sonst? Wetterabdichtung ist sicher nicht verkehrt, aber wann ihr Motiv lächelt, sollten Sie bitte schon selbst erkennen (Smile Detection). Und auch sonst sind manche Gimmicks moderner Apparate schlicht überflüssig und ablenkend.
Vielleicht hat die Kameraindustrie ja Erbarmen und lässt zukünftig statt Marketing-Strategen auch mal den einen oder anderen Herzblut-Fotografen bei ihren Produktdesigns mitreden.
Was meinen Sie? Wie sieht Ihre ideale Kamera aus?






Ich wäre für einen Rat dankbar, welche Kamera derzeit (!) unter diesen Gesichtspunkten “die Beste” ist.
Lx3 ??
Hallo,
vielen Dank für die Frage und das in ihr liegende Vertrauen in den Verfasser dieser Website ;-)
Ist natürlich nicht ganz einfach zu beantworten, da ich leider auch nur einen begrenzten eigenen Erfahrungsschatz mit den derzeit am Markt verfügbaren Geräten habe. Die LX3 sieht aus, wie ein heisser Kandidat, obwohl ich mir dort noch etwas mehr “manuelle” Eingriffsmöglichkeiten und einen vernünftigen optischen Sucher gewünscht hätte.
Ganz nah dran ist natürlich auch die Leica M8, aber da fehlt selbst einem Sir Mikel das nötige Kleingeld zur Anschaffung und so wirklich kompakt ist sie auch nicht. Die Fuji S100FS sieht ebenfalls sehr vielversprechend aus, gegen sie spricht allerdings die Größe und einige Macken des Objektivs.
Sie sehen schon, ich drücke mich um eine konkrete Aussage – auch weil das nochmal von den besonderen Anforderungen abhängt, die man selbst mitbringt – ist man eher Weitwinkel- oder Tele-Nutzer u.s.w. Gute Hinweise bekommen Sie auf der DPREVIEW Kamera-Datenbank. Dort sind alle aktuellen Modelle zu finden mit Bewertung der zahlreichen User und ggf. mit Hinweis aus einen Testbericht.
Beste Grüße
Ihr Sir Mikel